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¿Para siempre... Michelle? — Wahlen in Chile

Können Sie sich Angela Merkel auf 10x20 Metern vorstellen? Oder Seehofer mit Gabriel –verkrampft lächelnd und natürlich Daumen nach oben – auf Aufstellern in jedem zweiten Dorf, von Sprakebüll bis Grainau, von Nettetal bis Bad Saarow?
Muss man hierzulande glücklicherweise erst gar nicht: ob aus finanziellen oder ökologischen Gründen, oder weil´s in Deutschland nicht unbedingt die gewünschte Wirkung hätte; wir bleiben von Körperteilen unserer Politiker in der Dimension von King Kong verschont.

Ganz anders in lateinamerikanischen Ländern, was sich erst kürzlich während des Wahlkampfes in Chile wieder gezeigt hat. Da konnte man auf den «medienwirksamen» Plakaten genauer sehen, unter wessen Fingernägeln der Dreck steckte. Riesengroß strahlten die Präsidentschaftsrivalen Michelle, Evelyn und Co. gewinnbringend von Hochhäusern und an den städtischen Autopistas. Aber auch in «humaner» Größe in den Dörfern zwischen Pazifik und Anden, zusammen mit den jeweiligen, gerne mal Cowboyhut-tragenden Diputados – eine gelungene Fotomontage macht´s möglich!

Wie gesagt, eigentlich nichts Ungewöhnliches für eine Kampagne. Doch diese Wahl forderte den Druckereien wohl etwas mehr Schweiß als üblich ab. Denn auch wenn es von vornherein eine(n) Favouriten/in gab, so handelte es sich doch um die historischste Wahl seit Pinochets Ende.

Wir erinnern uns: Nachdem Pinochet 17 Jahre lang den Tyrannen gemimt und dabei dem Titel des Diktators alle «Ehre» machend für traurige Rekorde gesorgt hatte, war 1990 endlich wieder die Demokratie in das langgestreckte Land zurückgekehrt.

Nun im Dezember 2013 gewann Michelle Bachelet von den Sozialisten, die bereits von 2006 bis 2010 Staatschefin gewesen war, in der finalen Stichwahl haushoch mit 62 % gegen ihre konservative Rivalin Evelyn Matthei.

Das Historische an dieser Wahl ist jedoch nicht der deutliche Sieg sondern vielmehr die Veränderungen, die dieser mit sich bringen soll. Denn Bachelet will eine Großzahl an Reformen in Angriff nehmen, darunter eine Bildungs- und Steuerreform, aber vor allem eine Reformierung der Verfassung, die noch aus Pinochets Zeit (!) stammt. Denn auch wenn Chiles Wirtschaft stetig wächst und das südamerikanische Land zu den reichsten des Kontinents gehört, so ist die Gesellschaft doch politisch weiterhin gespalten. Und das noch über 20 Jahre nach Ende der Diktatur!

Ob Bachelet all die Reformen, die sie sich vorgenommen hat, umsetzen kann, ist zu bezweifeln. Dennoch lohnt es sich, in den kommenden Jahren – ihre Amtszeit währt bis 2018 – immer wieder mal einen Blick auf das Land der paltas und des Pisco Sour zu werfen. Schon allein weil die neue Präsidentin ihr Medizinstudium in Deutschland absolviert hat und perfekt unsere Sprache beherrscht!

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